Ebbe und Flut in Hamburg: Warum die Elbe Gezeiten hat
Hamburg liegt rund 100 Kilometer von der Nordsee entfernt und trotzdem steigt und fällt das Wasser an den Landungsbrücken zweimal am Tag um mehrere Meter. Der Grund ist die Tidewelle der Nordsee: Die Anziehungskraft von Mond und Sonne lässt die Wassermassen der Ozeane in einem regelmäßigen Takt anschwellen. Diese Welle läuft bei Cuxhaven in die Elbmündung und wandert in einigen Stunden flussaufwärts bis in den Hamburger Hafen.
Erst am Wehr Geesthacht, rund 140 Kilometer von der Mündung entfernt, ist Schluss: Dort endet die sogenannte Tideelbe. Bis dahin ist der Fluss ein Stück Meer mitten im Binnenland. Bei Flut fließt die Elbe in Hamburg sogar rückwärts, also flussaufwärts. Gut zu beobachten ist das an Schiffen, die an Bojen festgemacht sind: Mit dem Wechsel der Tide drehen sie sich in die andere Richtung.

Wie stark die Gezeiten ausfallen, hängt vor allem vom Mond ab. Rund um Vollmond und Neumond wirken Mond und Sonne in dieselbe Richtung, es entsteht eine Springtide mit besonders hohem Hochwasser und besonders niedrigem Niedrigwasser. Bei Halbmond schwächen sich die Kräfte gegenseitig ab, dann ist Nipptide und der Unterschied zwischen Ebbe und Flut fällt deutlich kleiner aus.
Der Gezeitenrhythmus am Pegel St. Pauli
Gemessen werden die Gezeiten für Hamburg am Pegel St. Pauli direkt an den Landungsbrücken. Ein vollständiger Zyklus aus Flut und Ebbe dauert hier im Mittel 12 Stunden und 25 Minuten. Weil zwei Zyklen zusammen also knapp 25 Stunden ergeben, kommt das Hochwasser jeden Tag etwa 50 Minuten später als am Vortag. Wer heute um 14 Uhr Hochwasser hat, muss eine Woche später also mit dem Hochwasser am frühen Abend rechnen.
Auffällig ist die Ungleichheit der beiden Phasen: Die Flut dauert in Hamburg nur gut 5 Stunden, die Ebbe dagegen gut 7 Stunden. Auf ihrem langen Weg die immer flacher werdende Elbe hinauf wird die Tidewelle verformt, ihre Vorderseite wird steiler. Das Wasser steigt deshalb schnell und fällt langsam, zusätzlich verlängert das aus dem Binnenland nachströmende Elbwasser die Ebbe.
Der Tidenhub, also der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser, beträgt in Hamburg im Mittel rund 3,7 Meter. Je nach Mondphase schwankt er laut der Vorausberechnung des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zwischen etwa 2,9 und 4,3 Metern. Das war nicht immer so: Durch die wiederholten Vertiefungen der Fahrrinne hat sich der Tidenhub in Hamburg seit dem 19. Jahrhundert etwa verdoppelt.
Sichtbar wird der Unterschied bei einem Besuch an den Landungsbrücken. Die Anleger sind schwimmende Pontons, die mit dem Wasser auf und ab gehen. Bei Niedrigwasser führen die Brücken zu den Pontons deshalb steil hinunter, bei Hochwasser geht es fast eben aufs Schiff.
Wind, Wetter und Sturmflut: Wenn die Tide anders kommt
Die Gezeiten auf dieser Seite sind astronomisch vorausberechnet und gelten für normale Wetterlagen. Der Wind kann sie spürbar verschieben: Anhaltender West- oder Nordwestwind drückt zusätzliches Wasser von der Nordsee in die Elbe, das Hochwasser fällt dann höher aus und das Wasser läuft langsamer ab. Kräftiger Ostwind bewirkt das Gegenteil und sorgt für besonders niedrige Wasserstände.
Treffen eine Springtide und ein schwerer Sturm aus Nordwest zusammen, droht eine Sturmflut. Dann steht der Fischmarkt in St. Pauli regelmäßig unter Wasser und in der Speicherstadt werden die Flutschutztore geschlossen. Seit der verheerenden Sturmflut vom Februar 1962, die in Hamburg über 300 Menschen das Leben kostete, schützen erhöhte Deiche und Hochwasserschutzwände die Stadt. Aktuelle Abweichungen von der Vorhersage veröffentlicht das BSH in seiner Wasserstandsvorhersage.
Mit der Tide durch die Speicherstadt

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Speicherstadt und Tide: Warum es auf den Wasserstand ankommt
Eine Fahrt durch die Speicherstadt ist der Höhepunkt vieler Hafenrundfahrten, aber sie gelingt nur zur richtigen Zeit. Die schmalen Fleete zwischen den Speichern werden von zahlreichen niedrigen Brücken überspannt. Die flachen Hamburger Barkassen sind genau dafür gebaut, doch auch ihnen sind enge Grenzen gesetzt:
- Bei Hochwasser fehlt der Platz nach oben: Zwischen Wasserspiegel und Brückenbogen bleibt zu wenig Durchfahrtshöhe.
- Bei Niedrigwasser fehlt das Wasser unter dem Kiel: Die Fleete sind flach und verschlickt, teils fallen sie fast trocken.
Als Faustregel gilt: Von etwa zwei Stunden vor bis zwei Stunden nach Hoch- und Niedrigwasser ist die Durchfahrt nicht möglich. Dazwischen öffnet sich zweimal am Tag ein Zeitfenster, in dem die Barkassen sicher unter den Brücken hindurch und über den Grund kommen. Weil die Durchfahrt durch die Speicherstadt höchstens eine Stunde dauert, passt sie gut in eine zweistündige Hafenrundfahrt, wenn zumindest ein Teil der Fahrt in dieses Fenster fällt.

Genau diese Regel steckt in unserem Gezeitenkalender: Für jede Hafenrundfahrt prüfen wir anhand der Gezeiten, ob mindestens eine Stunde der Fahrt außerhalb der kritischen Zeiten liegt. Ist das der Fall, ist die Fahrt grün markiert. Eine Garantie ist das nicht, denn Wind, Eis im Winter oder Bauarbeiten an den Kaimauern können die Durchfahrt im Einzelfall verhindern. Die Chancen stehen bei grün markierten Fahrten aber gut.

Warum sich die Fahrt durch die Speicherstadt lohnt
Die Speicherstadt ist seit 2015 gemeinsam mit dem Kontorhausviertel und dem Chilehaus UNESCO-Welterbe. Ab 1883 entstanden hier auf Millionen von Eichenpfählen die markanten Lagerhäuser aus rotem Backstein, in denen einst Kaffee, Tee, Gewürze und Teppiche lagerten. Viele Speicher sind bis heute nur von zwei Seiten richtig zu sehen: von der Straße und vom Wasser.
Vom Fleet aus wirkt die Speicherstadt am eindrucksvollsten. Die Barkasse gleitet zwischen den hohen Backsteinfassaden hindurch, vorbei an alten Ladeluken und Seilwinden, unter verzierten Brücken hindurch und am Wasserschloss entlang, einem der beliebtesten Fotomotive Hamburgs. Wenige Minuten später öffnet sich der Blick auf die HafenCity und die Elbphilharmonie. Diese Perspektive gibt es weder zu Fuß noch auf einem großen Hafendampfer, sondern nur auf einer kleinen Barkasse zur passenden Tide.
Mehr über Geschichte, Architektur und Sehenswürdigkeiten lesen Sie auf unserer Seite zur Rundfahrt durch die Speicherstadt.
